Reframing - Perspektivenwechsel lohnt sich

Es liegt an uns, wie wir zum Beispiel über eine Person oder ein Ereignis denken. Aus einer Negativspirale kommen wir am besten, wenn wir die Perspektive wechseln.


Reframing heißt wörtlich übersetzt „einen neuen Rahmen geben“, etwas freier versteht man darunter "etwas umdeuten“. Beispielsweise macht es Sinn, eine Situation anders zu deuten, wenn uns die ursprüngliche Interpretation, die uns sofort oder gewohnheitsmäßig einfällt, negativ beeinflusst. Wir sind vielleicht enttäuscht oder ärgerlich. Reagieren mit Rückzug oder Angriff. Oder hängen Gedanken nach, die uns lähmen und runterziehen.

“Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.”
Epiktet

Es liegt also an uns, ob wir diese Reaktionen beibehalten oder ob wir unsere Sicht auf die Situation verändern – ihr sozusagen einen neuen Rahmen geben. Dabei geht es nicht darum, alles Negative schön zu reden, sondern sich damit auseinanderzusetzen, ob die eigene Reaktion verhältnismäßig und hilfreich ist. Ob es vielleicht einen anderen Blickwinkel gibt, der es uns ermöglicht, entspannter und konstruktiver mit einer Situation umzugehen.

Ein persönliches Beispiel: Einer meiner Kollegen ist extrem gewissenhaft und will immer bis ins letzte Detail planen. In der Vergangenheit hat es mich viel Energie gekostet, da ich mich innerlich darüber aufgeregt habe, dass wir immer alles minutiös abstimmen müssen. Wenn es möglich war, habe ich gemeinsame Projekte vermieden. Als wieder eine Zusammenarbeit bevorstand und unser Verhältnis mittlerweile leicht angespannt war, habe ich beschlossen, mit anderen Augen auf seine „Übergewissenhaftigkeit“ zu schauen. Und mir ist dabei klargeworden, dass wir uns sehr gut ergänzen und von unserer Unterschiedlichkeit profitieren. Er diskutiert im Vorfeld alle möglichen Eventualitäten (was zeitintensiv ist) und sorgt somit für die perfekte Vorbereitung. Ich bringe meine kreative Seite ein, um z.B. einen Workshop interaktiver zu gestalten oder zu improvisieren, wenn doch nicht alles läuft wie geplant. Dank der Wertschätzung, die wir jetzt für einander haben, haben wir nicht nur mehr Spaß bei der Zusammenarbeit – wir liefern auch eine viel bessere Qualität ab, weil jeder seine Stärken einbringen kann.

Versuchen Sie es doch selbst einmal: auf neue Sichtweisen und Blickwinkel kommen Sie zum Beispiel mit diesen Fragen: 

  • Wer weiß, wozu das gut ist?
  • Welche Chancen oder Vorteile könnten sich daraus ergeben?
  • Was könnte ich lernen oder mitnehmen?
  • Wie könnte ich das noch sehen?
  • Wie würde ich mich fühlen, wenn ich das anders sehe?
  • Was könnte sich ändern, wenn ich das anders sehe?
  • In welchem anderen Kontext wäre eine Verhaltensweise angemessen oder positiv? 

Noch wirkungsvoller ist es, wenn Sie Ihre Gedanken niederschreiben. Reframing braucht ein wenig Übung, aber es lohnt sich!